04.05.2014

Kläranlage in Lingen gilt als Vorzeigebetrieb

Besuch von den Grünen

Eingehend informierten sich Kreistagsabgeordnete der Grünen auf dem Gelände der Kläranlage in Lingen. Von links: Nikolaus Schütte zur Wick, Klaus Herrmann, Birgit Kemmer, Arno Ester und Michael Fuest. Foto: Ludger Jungeblut

Lingen. Als Vorzeigebetrieb hat der Fraktionsvorsitzende der Grünen im emsländischen Kreistag, Michael Fuest, die Kläranlage in Lingen am Langschmidtsweg bezeichnet. „Bei jedem Besuch erfährt man immer wieder etwas Neues“, sagte der Grünen-Politiker aus Lingen.

Arno Ester, Betriebsleiter der Stadtentwässerung Lingen, und Professor Dr. Klaus M. Herrmann nahmen sich viel Zeit, um Fuest sowie seinen Fraktionskollegen Nikolaus Schütte zur Wick und Birgit Kemmer deutlich zu machen, dass auf Innovationen allergrößter Wert gelegt werde. „Aus Klärschlamm hat bisher noch niemand Kohle gemacht“, beschrieb der 77-jährige Biochemiker Herrmann ein neues ehrgeiziges Projekt, das eng mit seiner Forschungstätigkeit auf dem Gelände der Kläranlage verbunden ist. Mithilfe des HTC-Verfahrens (Hydrothermale Carbonisierung), das er derzeit als Laborversuch erprobt, sollen die Voraussetzungen für einen großtechnischen Einsatz geschaffen werden.

Beitrag zum Klimaschutz

Der aus Lingen stammende und inzwischen emeritierte Professor wohnt im Landkreis Cuxhaven und ist mehrere Tage in der Woche ehrenamtlich in der Lingener Kläranlage tätig. Zuvor wirkte er viele Jahrzehnte als Dozent und Forscher an den renommiertesten Universitäten der USA. Er erläuterte, dass man bei Temperaturen zwischen 180 und 350 Grad Celsius und einem Druck von bis 65 bar mithilfe eines Reaktors aus Klärschlamm Kohle herstellen könne. Zudem erlaube das HTC-Verfahren, das im Klärschlamm gebundene Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) für eine CO2-neutrale Energieerzeugung zu nutzen. „Mit diesem in Lingen entwickelten Verfahren könnten wir einen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, sagte der Professor und fügte hinzu: „Bis zur Anwendung im großtechnischen Maßstab brauchen wir aber noch Zeit.“

Nach Angaben von Ester ist die Versuchsreihe eingebunden in ein vom Umweltbundesamt gefördertes Förderprogramm, um energieeffiziente Abwasseranlagen voranzutreiben. In Lingen heißt das Projekt „Plus-Energie-Kläranlage mit Phosphorrückgewinnung“. Seit Dezember werden das Linus-Bad und neue Wohnungen im Emsauenpark mit Fernwärme beliefert, bei der es sich um überschüssige Energie aus der Kläranlage handelt.

Nach Angaben von Ester plant der Gesetzgeber, das Aufbringen von Klärschlamm auf landwirtschaftliche Flächen zu verbieten. „Der in Lingen anfallende Klärschlamm wird derzeit zum Kohlekraftwerk nach Ibbenbüren gebracht.“ In naher Zukunft werde das Kohlekraftwerk vermutlich abgeschaltet. „Insofern erhöht sich auch für uns der Handlungsdruck, den Klärschlamm zum Beispiel mithilfe des HTC-Verfahrens zu verwerten“, sagte der Betriebsleiter der Stadtentwässerung Lingen.



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